Drohende Hungersnot durch die Covid-19-Pandemie – Wenn Resilienz an ihre Grenzen stößt

Unser Plädoyer dafür, die wahren Opfer der Covid-19-Pandemie nicht zu vergessen und gleichzeitig unsere eigenen Opfer und Verluste in einen demütigen Kontext zu setzen.

Seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie haben wir bei Strasser & Strasser den Bedarf nach Angeboten zu Resilienz, Agilität und effektivem Führen in der Krise erkannt. Wir haben Produkte entwickelt, um Führungskräfte, Teams und Unternehmen in dieser Krisenzeit zu unterstützen. Was passiert jedoch mit den Menschen, die aufgrund ihrer konstant instabilen Lebenssituation über Jahrzehnte hinweg zu Meistern der Resilienz und der Benutzung digitaler Medien geworden sind? Die nun durch die verheerenden Konsequenzen von Covid-19 ihr gesamtes Support-Netzwerk und ihre Überlebensmechanismen dahinschwinden sehen?

Viele Menschen aus von Armut stark betroffenen Ländern in Zentralafrika, sowie Jemen und Afghanistan haben Krisen und Schocks erlebt und durch ihre “coping mechanisms” (Bewältigungsmechanismen) auch überlebt. Wenn ein Familienmitglied krank wurde, haben andere Überstunden gemacht oder ihre entferntere Familie, Freunde und Nachbarn um Hilfe gebeten. Auch wenn ganze Landesteile von Hungersnöten betroffen waren, wurden Familienmitglieder im Ausland angeskypt und finanzielle Hilfe konnte über Online Banking Tools in die ganze Welt gesendet werden. Wenn diese Schocks aber überall zur gleichen Zeit einschlagen und Ausweichmöglichkeiten und Überbrückungslösungen ausfallen, wächst nicht nur das Virus exponentiell sondern auch die Probleme. Die Weltbank prognostiziert, dass die Überweisungen von Migranten in diesem Jahr um 20 % fallen werden und der Economist schreibt, dass zum ersten Mal seit 1998 die Zahl der Menschen in absoluter Armut ansteigen werden anstatt zu fallen. Und während die Haushaltseinkünfte fallen, steigen die Lebensmittelpreise.

In Indien ist der Preis für Kartoffeln um 15 % gestiegen, denn der Lockdown hat es oft nicht ermöglicht, alle Felder zu bestellen und zu ernten. Ganz besonders betroffen sind die, die schon vorher auf staatliche Hilfe angewiesen waren: zum Beispiel Flüchtlinge und arme Bevölkerungsgruppen in überfüllten Großstädten. In Uganda hat das WFP (World Food Program) die Essensrationen für Flüchtlinge um 30 % gekürzt und in Bangladesch können 70 % der Rohingya Flüchtlinge keine Nahrung mehr kaufen. Auch in Indien haben 84 % der urbanen Selbständigen aus ärmeren Vierteln und Slums ihre Arbeit verloren.

Während viele von uns den Lockdown nutzen konnten, um sich in Resilienz zu üben und Teams durch Homeoffice und plötzlich erzwungenem “New Work” mit virtual meetings, Lunches und Feierabend Drinks agiler wurden, zerbrechen gerade gut funktionierende Strukturen von Menschen, die seit Jahrzehnten auf Resilienz beruhen. Es ist zu gefährlich eine Verbreitung der Hungersnot zuzulassen, denn die langfristigen Konsequenzen sind verheerend. Unterernährung führt bei Kindern zu Schäden an Hirn und Körper, ebenfalls zu chronischen Krankheiten und niedrigerem IQ und somit nachhaltig geringem Durchschnittseinkommen. Ganz zu schweigen von anderen Konsequenzen eines Lockdowns: Eine Studie der Weltbank hat gezeigt, dass die Schließung von Schulen auch nur für 4 Monate die Lebenseinkommen langfristig um 15 % sinken lässt.

Deswegen haben wir uns im Strasser & Strasser Team entschieden, für die Menschen zu spenden, die von der bedrohlichen Hungersnot betroffen sind. Wir machen uns weiterhin stark für nachhaltiges Change Management und erfolgreiche Digitale Transformation. Und haben auch die Menschen im Blick, die sich auch mit aller Resilienz der Welt aufgrund der heutigen Umstände nicht selbst erhalten können. Sie sind zu den wahren Opfern der Covid-19-Pandemie geworden. Sie nicht zu vergessen lässt uns unsere eigenen Opfer und Verluste in einen demütigen Kontext setzen.

Quellen: The Economist, Edition May 23-27 2020 / https://www.visualcapitalist.com/covid-19-global-food-insecurity/

 

Gast-Autorin dieses Beitrags: Marlene Strasser

 

 

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